Die Farbe von Schmerz von *A.L.Kahnau*

Heute habe ich euch die Rezension zum neusten Buch einer meiner Lieblingsautorinnen mitgebracht. Eine Rezension die mich selbst herausgefordert hat, da ich so viele Emotionen einfließen lassen musste.

Die Farbe von Schmerz
Autorin: A.L.Kahnau
Format: Taschenbuch, Ebook
Preis: TB 13,99 / Ebook 2,99
Seitenanzahl: 448

Wenn mein Schmerz eine Farbe hätte, dann wäre er lila.

Sanft fahre ich mit den Fingern über den Fleck. Er hat die Form eines Schwans. Mit langem Hals und breitem Körper. Sein Schnabel reicht bis an meinen untersten Rippenbogen, die Schwanzfedern berühren meine linke Hüfte. Ein Kunstwerk in Blau-Lila. Faszinierend, dass etwas so Grobes wie die Faust meines Stiefvaters etwas so Filigranes wie diesen Fleck erzeugen kann.

Die Farbe von Schmerz, ein Titel den ich wohl nie wieder vergessen werde. Eine Geschichte, die mich bis ins Mark erschüttert und mich den heftigsten Emotionen ausgesetzt hat. A.L.Kahnau ist eine dieser Autorinnen, von denen ich jedes einzelne Buch gelesen habe und jedes weitere auch lesen werde. Ihr Stil ist echt, realistisch, einnehmend und emotional wie kein anderer.

Mit ihrem neusten Werk hat sie mich in einen Abgrund des Hasses geschleudert, um mich dann wieder Hoffnung empfinden zu lassen. So viele Gefühle, die in mir tobten. Innerhalb von vier Stunden war „Die Farbe von Schmerz“ ausgelesen, denn die Geschichte von Romy hat mich gefesselt und leiden lassen. Wenn mein Hass eine Farbe hätte, dann wäre er jetzt gerade leuchtend rot!

Romy ist gerade elf Jahre alt, als ihre Mutter einen neuen Mann kennenlernt. Schon bald ziehen sie mit in seine Wohnung und Romys Mutter ist glücklich wie lange nicht mehr. Doch langsam aber sicher zeigt dieser Mann sein wahres Gesicht und bald rutscht ihm das erste Mal die Hand aus, gegenüber dem jungen Mädchen. Das sollte aber nicht das letzte Mal sein, dass er Romy wehtut. Jetzt ist Romy siebzehn und wird von Richard behandelt wie der letzte Dreck, während ihre Mutter die Augen vor der Wahrheit verschließt. Um das Glück ihrer Mutter nicht zu zerbrechen, lässt Romy alles über sich ergehen. Selbst Richards Familie ist keinen Deut besser und behandelt sie wie ein dummes Rindvieh, was in ihrer Familie nichts zu suchen hat. Bald ist es nicht mehr die flache Hand die Romy von Richard zu spüren bekommt, sondern seine Faust und Tritte. Ihr Körper ist entstellt von blauen Flecken und ihre Seele und Psyche verängstigt und hilflos. Sie sucht einen Weg aus dieser furchtbaren Situation aber Richard kontrolliert sie wie einen Hund an der Leine und mit Maulkorb. Bis sie einfach nicht mehr kann und einen Ausweg sucht, den ihr ein fremder Junge bietet. Wird Romy den Weg aus ihrer persönlichen Hölle finden? Wer ist dieser junge Mann der ihr wieder Hoffnung und Geborgenheit schenkt? Und wird sie es schaffen endlich gegen ihren Stiefvater in den Krieg zu ziehen? Das erfahrt ihr in: Die Farbe von Schmerz.

Romy ist ein unglaublich sanftmütiger Charakter und ich habe sie gleich zu Anfang fest in mein Herz geschlossen. Sie lässt diese Gewalt über sich ergehen, nur damit ihre Mutter weiterhin glückliche Familie spielen kann, obwohl sie definitiv weiß, dass ihr neuer Mann kein gutes Haar an ihrer Tochter lässt. Körperliche Gewalt ist das eine, psychische Gewalt das andere. Der Körper heilt schneller als die Seele. Das Kind wird stark geprägt durch solche Misshandlungen und das schlimmste ist, dass genau diese Situation in mehr Familien tagtäglich ist, als wir denken. Viele von uns haben als Kind Schlimmes erlebt und wir knabbern heute noch an den Auswirkungen die es auf unseren Seelen hinterlassen hat. Es hat uns geprägt, uns zu den Menschen gemacht die wir heute sind, mit unseren Depressionen, Panik und Angstattacken. Wir leben damit, Tag für Tag. Doch es gibt auch sehr viele, die nicht gegen ihre Peiniger vorgehen, sie anzeigen und endlich öffentlich machen was ihnen angetan wurde. Weil man sich als Opfer oft nicht so sieht, man gibt sich selbst die Schuld an dem was passiert. Oft ist das genau der Grund, warum man nicht zur Polizei geht, aus Angst, dass man irgendetwas falsch gemacht hat oder man es dadurch nur schlimmer macht. A.l.Kahnau hat uns dieses Thema schonungslos serviert, sie hat es gezeigt wie es ist. Wie es in etlichen Familien tagtäglich zugeht und keiner etwas tut, aus Angst, aus Scham, aus Hilflosigkeit.

Aber sie zeigt uns mit Romys Geschichte auch, dass es einen Weg raus aus dieser Hölle gibt. Dass man es verdient hat glücklich zu sein, frei zu sein und ein Recht hat auf ein Leben ohne ständige Gewalt. Romy ist stark, stärker als ich es in ihrer Situation gewesen wäre. Andere wären an ihrer Stelle wohl zerbrochen, was öfter vorkommt als wir denken. Die Angst sitzt ihr dauerhaft im Nacken, macht sie bewegungsunfähig, lähmt sie. Doch sie ist fest entschlossen diesem Mann nie wieder die Möglichkeit zu geben ihr zu schaden, auch wenn sie dafür ihre Mutter zurücklassen muss, die ihr sowieso nicht beisteht. Ihre Geschichte hat mich, gerade am Anfang, stark mitgenommen und einen unbändigen Hass in mir ausgelöst. Hass auf Menschen, die sich das Recht herausnehmen anderen körperlichen und seelischen Schaden zuzufügen, ohne auch nur im Entferntesten an die Konsequenzen ihrer Taten zu denken.

Die Farbe von Schmerz führt uns dies alles vor Augen und katapultiert einem in jede mögliche Emotion. Dieses Talent besitzt die Autorin schon immer. Ihre Bücher sollten alle gelesen werden, denn sie nimmt sich diesen Tabuthemen an, die kein anderer aussprechen möchte. Gewalt, Mobbing, Vorurteile und Schubladendenken definiert sie ganz neu und zeigt uns, dass es ein Fehler ist über diese Themen zu schweigen.

In diesen vier Stunden, während ich „Die Farbe von Schmerz“ las, hat mein Herz dauerhaft gehämmert. So viel Hass habe ich in den letzten sechs Monaten nicht verspürt. A.L.Kahnau ist eine Meisterin ihres Fachs und bringt mein Blut zum kochen. Ich würde sagen, das ist eine Kunst, die nicht alle Autoren beherrschen. Daher gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung wenn ihr mit dem Thema umgehen könnt. Kochendes Blut und heftige Emotionen garantiere ich euch!

Ich danke dir, liebe Lena für deine unglaublichen Werke, die du uns immer wieder schenkst. Sie sind für viele so wahnsinnig wichtig und helfen mit diesen Themen umzugehen. Danke dafür meine Liebe!

Und jetzt wünsche ich euch viel Gefühl beim Lesen dieser Geschichte und hoffe sie fesselt euch genauso wie mich. Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Kommentare zum Buch! Bis zum nächsten Mal!

A.L.Kahnau (geboren 1987 im Siegerland) lässt ihre Protagonisten nicht irgendwo herumspazieren. Nein, sie leben in deiner Nachbarschaft. Sie könnten dein Nachbar sein, deine Tochter oder auch dein bester Freund. Trotzdem bleiben A.L.Kahnaus Geschichten vom Beginn bis zum Ende spannend, gefühlvoll und vor allem authentisch.

Besuche A.L.Kahnau auch auf ihrer Homepage: www.alkahnau.com oder auf Facebook.

7 Kommentare

  1. Wunderschön geschrieben, Emotionen pur. Wahnsinn. Hier wird ein Tabuthema beschrieben was gerne unter den Tisch gekehrt wird. Ich kenne bis jetzt von ihr zwei Bücher und mag ihren Schreibstil. Aber das Buch hier kommt definitiv auf meine Wunschliste.

  2. Da läuft es mir kalt den Rücken runter und ich bekomme Gänsehaut.

    Man erahnt welche Emotionen du durchlebt haben könntest. Vor allem werden die Gefühle greifbar und man möchte dich in den Arm nehmen und knuddeln.

    Das sich jemand traut ein Tabuthema zu brechen, verdient meinen vollen Respekt. Das Buch muss ich einfach haben.

    1. Danke für deinen lieben Kommentar meine Liebe. Lena schreibt immer über solche Themen, denen sich niemand traut zu nähern. Sie hat dieses Talent, alles wahnsinnig realistisch zu Papier zu bringen. Falls du ihre anderen Bücher noch nicht kennst, schau sie dir mal an, besonders „Juli im Winter“. Du findest alle Rezensionen zu ihren Büchern bei mir. Sie ist für mich eine der besten deutschen Autorinnen. :-*

  3. Dankeschön für deine tolle Rezi.
    Ich musste als Kind zwar kaum unter körperlicher Gewalt leiden, aber umso mehr unter der psychischen. Zu jeder möglichen Gelegenheit hörte ich, dass ich ein ungewollte Kind bin. Meine Schwester war ein Wunschkind. Den Unterschied spüre und sehe ich heute noch. Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern extrem reduziert. Leider war mein Mann da, um bei der Renovierung zu helfen. Was sie ihm angetan und gesagt haben, war noch schlimmer, als das, was ich aushalten musste. Jetzt will ich eigentlich gar keinen Kontakt mehr….

    1. Ich verstehe dich besser als du denkst, denn mein Vater ist auch so gewesen, bis meine Mutter ihn endlich verlassen hat. Man wird solche Erlebnisse nie vergessen. Die Menschen ahnen nicht wie sehr sie uns damit verletzen und für unser weiteres Leben prägen. Den Kontakt zu meiner Familie väterlicherseits, habe ich auch abgebrochen als wir auszogen.. Da war ich 17. Ich versuche nicht mehr zurückzublicken. Aber denk dran, du bist eine starke Frau, wir alle haben etwas erlebt, was wir am liebsten aus unserem Leben löschen würden. Sei weiterhin stark und blicke nach vorne, so gut es geht. Du bist nicht allein. :-*

  4. Da bekomme ich Gänsehaut. Ich habe noch kein Buch von ihr gelesen, werde es aber definitiv nachholen. Danke dir für diesen kurzen Einblick, du hast mich sehr neugierig auf das Buch gemacht . Ich habe meine eigene Art der Verarbeitung durch solche Bücher gefunden und werde es gleich auf meine Liste setzen. Danke liebe Arya

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